Chartarten


Hier möchte ich Dir verschiedene Chartarten näher bringen und deren Funktionsweise bzw. Lesart kurz beschreiben. Es gibt mit Sicherheit weitere Formen der Darstellung, wie Point & Figure, aber ich möchte es mal bei den geläufigsten belassen.

Bei der Abbildung zur Erläuterung der vorgestellten Chartarten handelt es sich um eine Teil des Dax Stundencharts vom 12.01.2018.

Linienchart

Bei einem Linienchart wird bei jeder einzelnen Periode der Schlußkurs mit dem nächsten Periodenschlußkurs verbunden miteinander dargestellt.  Durch diese kontinuierliche Verbindung entsteht ein Linienchart. Ein Nachteil dabei ist, dass die Kurschwankungen der einzelnen Periode nicht dargestellt werden. Warum das wichtig sein kann, zeige ich Dir im Vergleich Linienchart vs. Candlestick Chart (siehe unten). Ich nutze die Candlestick Chartdarstellung viel lieber als die Linienchartdarstellung, da ich aus der Candlestick Chartdarstellung viel mehr herauslesen kann und ich mich dadurch beim Trading besser positionieren kann. 

Balkencharts

Bei einem Balkenchart wird jeder einzelne Tag durch einen senkrechten Strich dargestellt. Der Strich reicht vom Tagestief bis zum Tageshoch. Der Eröffnungskurs wird durch einen kleinen waagerechten Strich links und der Schlußkurs mit einem kleinen waagerechten Strich rechts des jeweiligen Balkens angezeigt.  Mit Eröffnungs- und Schlußkurs ist die jeweilige Periode gemeint, mit welcher Du gerade arbeitest. Das bedeutet, wenn Du dir einen Balken für einen Tag anzeigen lässt, ist das der Tageseröffnungs- und Tagesschlußkurs. Oder wenn Du Dir eine Periode für 1 Minute anzeigen lässt, handelt es sich dann um den Minuteneröffnungs- und Minutenschlußkurs. Meist kannst Du dir durch die Farben Grün (Kurssteigerung in der jeweiligen Periode) und Rot (Kursabfall in der jeweiligen Periode) einen schnelleren Überblick über den Kursverlauf verschaffen. 

Candlestick Chart

Candlestick Charts fügen dem einfachen Balkenchart eine Dimension und Farbe hinzu. Der Teil des Balkens, der die Spanne zwischen Eröffnungs- und Schlußkurs einer Periode darstellt, wird durch einen zweidimensionalen "richtigen Körper" dargestellt, während die Anhängsel für Hoch und Tief als Linien (Schatten) dargestellt werden. Die Farbe des Kerzenkörpers zeigt an, ob der Schlußkurz der einzelnen Periode über der Eröffnung (Abbildung Grün; kann auch Weiß sein) oder unter der Eröffnung der einzelnen Periode (Abbildung Rot; kann auch Schwarz sein) lag. Je nach Schwankungsbreite der einzelnen Periode entstehen so unterschiedlich große Kerzenkörper. Hohe Volatilität (Schwankungsbreite) entspricht einem großem Kerzenkörper, niedrige Volatilität dementsprechend einem kleinerem Kerzenkörper.

Mountainchart

Mountaincharts sind im Wesentlichen das Gleiche wie Liniencharts, nur das der Platz unter der Linie farbig ausgefüllt wird. Bei einem Mountainchart wird bei jeder einzelnen Periode der Schlußkurs mit dem nächsten Periodenschlußkurs verbunden miteinander dargestellt.  Durch diese kontinuierliche Verbindung und die farbige Darstellung unter der Linie entsteht ein Mountainchart.  Ein Nachteil dabei ist, dass die Kurschwankungen der einzelnen Periode nicht dargestellt werden. Mit Mountaincharts solltest Du vorsichtig sein, da sie durch eine leicht optische Illusion ein größeres Wachstum vortäuschen als in Wirklichkeit vorhanden ist. 

Wer gewinnt das Duell Linienchart vs. Candlestick Chart?

Ich hoffe du kannst den Linienchart in der Abbildung links erkennen. Du siehst den Linienchart und Candelstick Chart übereinander gelegt. Warum ich Candlestick Charts nutze, möchte ich Dir an diesem Chartbeispiel näher erläutern. Da es im Trading in erster Linie um die Verlustbegrenzung geht, sind Candlestick Charts für mich an dieser Stelle viel aussagekräftiger. Die einfache Erklärung ist, dass beide Darstellungen unterschiedliche Tiefkurse haben. Beim Linienchart liegt das Tief bei ca. 13.190 Punkten und beim Candlestick Chart bei ca. 13.165 Punkten. Wenn ich mir nun eine Stoppmarke für einen Ausstieg setzen möchte, wo läge diese dann? Zumindest hätte ich beim Linienchart noch das Gefühl, dass ich bei 13.180 Punkten nicht ausgestoppt wäre. Leider ist dem nicht so: Denn der Candlestick Chart offenbart die komplette Schwankungsbreite des Marktes und zeigt das Stundentief bei ca. 13.165 Punkten an. And the winner is: Candelstick Chart! 

Zweites Beispiel zur besseren Verdeutlichung 

Die Aktie von Dialog Semiconductor war am 05.01.2018 extrem hoher Volatilität ausgesetzt. Der Linienchart hätte dir Tage später für z.B. eine Chartanalyse signalisiert, dass die Aktie ihr Tief bei ca. 25,80€ hatte. Das dem nicht so ist, zeigt dir wiederum der Candlestick Chart. Hier siehst Du, dass das tatsächliche Tief der Aktie am 05.01.2018 nicht bei ca. 25,80€ lag, sondern bei ca. 24,75€. Das diese Differenz nicht wenig ist, zeigt Dir der prozentuale Unterschied von knapp 4%! Ich hoffe, dass ich Dir damit verdeutlichen konnte, warum Du als Trader eine Chartart wählen solltest, aus der Du auch alle notwendigen Informationen ziehen kannst, die Du für deine Analysen benötigst.


Chartmuster & Chartformationen


Um es gleich vorweg zu sagen. Es gibt eine Vielzahl von Chartmustern, Chartformationen oder auch Widerstände und Unterstützungen. Ich werde hier nur auf ein paar von diesen Chartmustern näher eingehen und Sie versuchen an einfachen Beispielen zu erläutern. Die Chartanalyse hat weitaus mehr zu bieten und ich werde hier nur einen kleinen Auszug vorstellen! Bei all den Erläuterungen von Chartmustern sollte nicht vergessen werden, dass jegliche Dinge die ein Trader in einen Chart einzeichnet ein anderer Trader nicht so sehen muss oder auch anders sehen kann. Die Grundlagen der Technischen Analyse werden in dem Buch von Jack Schwager sehr schön beschrieben.

Unterstützungen & Widerstände 

In der Regel entstehen Unterstützungen meist in der Nähe bedeutender Tiefs oder früheren Widerständen und Widerstände entstehen meist bei bedeutenden älteren Hochs. Im grafischen Beispiel der 3M Aktie ist dies sehr gut sichtbar. Im Bereich 1 wurde Anfang 2017 der Widerstandsbereich bei ca. 180$ (nach mehrmaligen Ausbruchsversuchen im Jahr 2016) im Februar 2017 durchbrochen und neue Hochs wurden generiert. Dieser Widerstandsbereich 1 wurde nun im Oktober 2018 zum Unterstützungsbereich (seihe im Bild Bereich 2). Dieser Unterstützungsbereich 2 wurde dann von den Markteilnehmern als gutes Einstiegssignal genutzt und die Aktie steht Tage später bereits wieder bei ca. 191$. Beide Bereiche sollten eher als Zonen angesehen werden und nicht als harte Linie. Unterstützungszonen sind solange sie nicht gebrochen werden gute Einstiegsbereiche und Widerstandszonen sind gute Bereiche um Gewinne abzusichern oder auch Teilgewinne mitzunehmen. Aber die Fundamentaldaten eines Unternehmen spielen ja meist für die Entwicklung einer Aktie auch noch eine Rolle.

Trendlinien & Kanäle

Der bei Leroy Seafood Aktie eingezeichnet Trendkanal beschreibt die Richtung einer Aktie in einer Bandbreite. Diese Bandbreite kann Aufwärts, Abwärts oder auch Seitwärts gerichtet sein. Als Beispiel ist bei Leroy Seafood der Aufwärtstrend als Kanal eingezeichnet. Es könnte aber auch nur eine Trendlinie Oberhalb, Unterhalb oder Mittig als Trend eingezeichnet werden. Eine genaue Definition einer Trendlinie oder eines Trendkanals gibt es nicht, sodass jeder Trader selbst entscheidet wo er den Trendkanal oder die Trendlinien für sich einzeichnet. Trendlinien oder Trendkanäle können Veränderungen bei einer Aktie anzeigen. Die Ausbrüche aus einem Trendkanal oder das durchbrechen eine Trendlinie könnten als Einstiegssignale, Ausstiegssignale oder auch nur als Bestätigungssignale dienen.

Tradingrange

Als Tradingrange wird eine flache Kursbasis bezeichnet aus welcher gewöhnlich neue Kursausbrüche mit Trends entstehen können.

In der ersten Abbildung bei der MTU Aktie sind Trendausbrüche auf der Longseite zu sehen und die Markierung 1 im Chart signalisiert in der Mitte der Range einen Fehlausbruch (Ausbruch aus dem Trendkanal misslungen) nach oben. Die zweite Abbildung der VA-Q-Tec Aktie zeigt mehrere flache Tradingranges mit Ausbrüchen auf der Shortseite. Bei der letzten Tradingrange (Trendkanal) ist bisher noch kein Ausbruch erfolgt und somit die nächste Trendrichtung noch nicht entschieden.

Gaps (Kurslücke)

Eine Kurslücke, ein sogenanntes Gap, tritt meist von einem Tag auf den nächsten Tag auf. Kurslücken können aber auch Intraday auftreten. Ein Gap entsteht wenn es eine größere Kursdifferenz bei zwei Aufeinanderfolgenden Kursfeststellungen gibt. In dem Beispiel von 3D Systems ist sowohl ein Aufwärtsgap (Kurslücke 1) und ein Abwärtsgap (Kurslücke 2) eingezeichnet. Hier wurden sowohl einmal die erwarteten Zahlen (Meldung nach Börsenschluss) übertroffen, sodass die Aktie am nächsten Tag weit höher eröffnet hat (Kurslücke 1) und die Zahlen (Meldung nach Börsenschluss) ein Quartal später sind schlechter als erwartet ausgefallen und haben dadurch für ein Abwärtsgap am nächsten Tag gesorgt (Kurslücke 2). Kurslücken kann ein Trader sowohl auf der Longseite als auch auf der Shortseite gefolgt werden. In starken Trends wird die Kurslücke meist nicht geschlossen und in schwachen Trends kann es durchaus sein, dass die Kurslücken geschlossen werden. 

Dreiecke

Es gibt verschiedene Arten von Dreiecken. Symmetrische, steigende und fallende Dreiecke. Bei symmetrischen Dreiecken folgt der Ausbruch meistens in Fortsetzung des bereits vorherrschenden Trends, wie in der ersten Abbildung bei der Bayer Aktie 2018 auf der Shortseite. Nicht symmetrische Dreiecke verlassen das Dreieck in Richtung des Neigungswinkels der Hypotenuse, wie in Abbildung 2 bei der Sixt Leasing Aktie 2018 ebenfalls auf der Shortseite. Wichtiger ist die Richtung des Ausbruchs aus dem Dreieck als der Neigungswinkel des Dreiecks. Obwohl in den Beispielen zwei fallende Ausbrüche skizziert wurden, gibt es diese Ausbrüche natürlich auch auf der Longseite aus einem Dreieck ;-).

Flaggen

Bei Flaggen umschließen zwei parallel verlaufende Linien die Kurse. Es sind meist Konsolidierungsphasen innerhalb eines Trends.

Ein Ausbruch aus einer Flagge kann als Signal oder Trendbestätigung gesehen oder auch genutzt werden.

Kopf und Schulter

Die dreiteilige Formation Schulter-Kopf-Schulter (Kopf-Schulter-Top) ist eine Formation bei der das mittlere Hoch höher ist als die beiden seitlichen Tiefs. Die Formation wird erst dann als ausgebildet angesehen, wenn die Nackenlinie durchbrochen wird. Die S-K-S Formation entsteht nach einer starken Kursbewegung. Die ausgebildete Formationen bei der Stratasys Aktie im dargestelltem Beispiel ist als bearisches Signal zu werten. Das Signal gilt erst als Bestätigt, wenn die Nackenlinie durchbrochen wurde. Sollte die Formation in Spiegelverkehrter Weise mit einen mittleren Tief und seitlichen Hochs ausgebildet werden ist dies als bullisches Signal zu werten.

Hammer

Ein kleiner Kerzenkörper am oberen Ende der Kursspanne und ein langer Schatten (mindestens doppelt so lang wie der Kerzenkörper) bezeichnen einen Hammer. Dabei ist es egal ob der Kerzenkörper in der jeweiligen Zeitebene Positiv oder Negativ ist. Der Name ist Programm, d.h. die Chartformation sieht auch aus wie ein Hammer ;-). Der Hammer wird als Signal für eine Bodenbildung gesehen. Nach einem Abwärtstrend zeigt dies den letzten Ausverkauf mit Trendumkehr an. Je länger der untere Schatten desto bedeutender wird der Hammer als Signal angesehen. Der Hammer ist ein schönes Charttechnisches Beispiel (bei der Nutzung von Candlestickcharts), bei dem aus nur einer einzigen Kerze sehr viel Informationen lesbar sind.

Hanging Man

Im Prinzip ist der Hanging Man die gleiche Chartformation wie der Hammer, nur das der Hanging Man nach einer Kursrally auftritt und als umgekehrte Umkehr angesehen wird. Er zeigt somit das Ende einer Rally. Das heißt der Hammer und der Hanging Man sind Charttechnisch das Gleiche, treten aber nach unterschiedlichen Trendrichtungen auf und deuten somit auf eine unterschiedliche zukünftige Trendrichtung hin. Der Hanging Man ist daher ein bearisches Signal.

Shooting Star

Und der auf dem Kopf stehende Hammer ist der Shooting Star. Nur das der Shooting Star nach einem starken bullischen Trend auftritt und ein bearisches Signal bedeutet. Auch hier ist die Farbe des Kerzenkörpers egal.